Ewgenij Rusinowitsch – ein vergessener Held Workutas

May 6, 2015
By HRL

Workuta im nördlichen Uralgebiet ist eine Stadt, die auf den Gebeinen der Insassen von Konzentrationslagern erbaut wurde. An die Tragödien und Grausamkeiten, die von den sowjetischen Behörden dort angerichtet wurden, gibt es viele Erinnerungen: Massenerschießungen unschuldiger Menschen in der Tundra durch entmenschte asiatische Spezialtruppen des MWD (KGB), zu tausenden erfrorene Häftlinge, vom Schneesturm begrabene Lager …

Es fand dort aber auch ein großer Aufstand von KZ-Häftlingen statt: 1953 stellten verzweifelte Sklavenarbeiter die Kohleförderung ein und traten in den Streik. Sie forderten eine Menschenwürdige Behandlung und normale Verpflegung. Der Aufstand wurde unter Einsatz von Maschinengewehren und Panzern brutal niedergeschlagen, nachdem hunderte wehrloser Häftlinge durch Sondertruppen massakriert worden waren.

Im Jahre 1954 ereignete sich ein denkwürdiger Zwischenfall, bei dem sich der KZ-Häftling Ewgenij Rusinowitsch bleibenden Ruhm erworben hat, seinem ewigen Angedenken sei diese Schilderung gewidmet.

Die Ehefrau Rusinowitschs kam von einer Entfernung von 4000 Kilometern zu ihm in das Lager angereist, doch die Lagerwache erteilte ihr keine Genehmigung zum Wiedersehen. Daraufhin arrangierten Freunde Rusinowitschs heimlich ein Wiedersehen, und zwar auf der Baustelle, auf der Rusinowitsch arbeitete. Doch die Wachtposten fanden sie, verprügelten sie und schnitten ihr die Haare ab, hängten sie an den Stacheldrahtverhau der Verbotszone und verspotteten sie. Rusinowitsch, der vor Wut gleichsam den Verstand verloren hatte, stürzte sich auf eine Wache der Lagerbaustelle, erschlug den Wachtposten und schoss mit dessen Maschinenpistole einen anderen Lagerwachtposten nieder und befreite die Häftlinge. Nachdem er zusätzliche Magazine mit Patronen an sich genommen hatte, fuhr dieser Held in ein Nachbarlager, rechnete auch dort mit den Wachtposten ab und befreite die Gefangenen. Die Nachricht von seinem bewaffneten Feldzug verbreitete sich in den Lagern Workutas, doch die Wachen gingen nicht gegen Rusinowitsch vor: die feigen KGB-Mitarbeiter stiegen in ihre Autos und flüchteten aus Workuta!
Erst nach etwa vier Stunden, als Rusinowitsch einige Lager befreit hatte und mit vielen KGB-Offizieren abgerechnet hatte, wurde gegen ihn eine ganze Division (!) von KGB-Truppen ins Felde geführt. Zu dieser Zeit hielt Rusinowitsch das oberste Stockwerk des Gebäudes „Workutogol“ besetzt, und von dort verteidigte er sich noch tagelang.

Die letzte Kugel schoss Rusinowitsch sich ins Herz. Sollten Sie je nach Workuta kommen, gedenken Sie des Helden Ewgenij Rusinowitsch aus Minsk!

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